Boarding School Program - Erfahrungsbericht England

Benno hat einen Term an der Bournemouth Collegiate School in Bournemouth verbracht.

Ich war ungefähr vier Monate in England, das entspricht einem englischen Term. Dort besuchte ich die Bournemouth Collegiate School, kurz BCS. Diese Schule ist eine Boarding Schule, etwa 90 Kinder und Jugendliche wohnen dort, aber vor allem ist die BCS eine Ganztagsschule, die von vielen Kindern aus dem Umkreis besucht wird.

Um ehrlich zu sein, hatte ich anfangs einige Zweifel: Ich dachte, ich würde dort Schwierigkeiten bekommen, mich auszudrücken und keine Freunde finden. Dementsprechend war ich aufgeregt, als ich nach England flog und mich dort von meinen Guardiansund meinem Vater trennte. Ich wurde vom dortigen Boardingpersonal herzlich aufgenommen und mir wurde nach einer kurzen Schulführung mein Zimmer gezeigt. Ich war erst mal alleine dort, mein Zimmernachbar war noch nicht angekommen. Als ich dann zurück in Richtung des Büros vom Personal ging, hörte ich den Namen meines Zimmernachbarn, den ich vorher an unserer Türe gelesen habe. Ich begleitete ihn mit zu unserem Zimmer und wir stellten uns vor: Er kam aus Hongkong.

Ein paar Tage, bevor die Schule begann, lernte ich noch andere internationale Schüler kennen. Am darauffolgenden Sonntag wurde an meine Tür geklopft und ein Koreaner, der etwas älter war als ich, fragte mich, ob ich Fußball spielen möchte. Er hatte meine Fußballschuhe am Tag davor gesehen, und jeden Sonntagnachmittag veranstalteten die älteren Jungs ein kleines Fußballspiel. So lernte ich viele von den älteren Leuten kennen. Sie erzählten mir viel über das Leben am Internat.

Am selben Tag erhielt ich dann noch meine Schuluniform und lernte abends ein paar Mädchen kennen, die in einem anderen Teil der Schule ihre Zimmer hatten. Auch von ihnen waren einige deutsch. Ich musste dann auch noch als Gastschüler meine Fächer wählen, manche wie Chemie und Mathe waren Standard, andere konnte ich frei auswählen.

Am ersten Schultag mussten wir verhältnismäßig früh aufstehen, unsere Uniform, bestehend aus einem Anzug und schwarzen Schuhen, anziehen und dann zum Frühstück gehen. Als wir nach dem Frühstück in die Schulgebäude gingen, war ich doch überwältigt, wieviele Kinder auf diese Schule gingen, ca. die 500-600 Kinder aller Altersstufen, alle in Schuluniform.

Wir wurden dann in verschiedenen Tutor Groups, also Morgenklassen, eingeteilt, in welche man gehen musste, bevor man in seine gewählten Kurse ging. Alle englischen Schüler waren höflich, offen und zuvorkommend. So fand ich schneller Freunde, als ich dachte.

Nach dem Abendessen gab es Prep Time, welche für uns 1½ Stunden ging. In dieser Zeit sollten wir etwas für die Schule tun, ob wir es taten oder nicht, war uns freigestellt, allerdings erledigte ich meine Hausaufgaben immer, weil die Strafen der meisten Lehrer ziemlich hart waren.

In den Tagen darauf konnten wir uns dann für eine Sportart entscheiden, die wir in den Sportstunden ausübten. Ich entschied mich für Fußball und wurde nach einem Probetraining in die Trainings- und in die erste Mannschaft meiner Altersklasse aufgenommen. Auch dort waren die meisten freundlich und mit manchen war ich davor auch schon befreundet. Wie jede andere Sportart wurde Fußball sehr ernst genommen, Spiele und viermal die Woche Training, davon zweimal mehr oder weniger freiwillig. Viele aus meinem Team hatten außerschulisch schon professionelle (Jugend-)Verträge mit teilweise Premiere League Vereinen, doch keiner wurde ausgegrenzt, nur weil er etwas schlechter war.

Am ersten Wochenende gab es dann auch schon die erste Aktivität, die immer freiwillig war. Dieses Mal war es ein Trip zu einer anderen Stadt (Swansea). Alles war gut organisiert und alle Kosten waren gedeckt. Ich war, bis auf einen, bei jedem Wochenendtrip dabei und diese waren immer abwechslungsreich und reichten von Wasserpark bis Städtebesuch.

In Year 11, welches ich besuchte (in Deutschland Klasse 10), durften wir jeden Tag außer Dienstag und Donnerstag nach der Schule in die Stadt gehen. Wir konnten allerdings auch den Fitnessraum benutzen und am Wochenende in die schuleigene Schwimmhalle gehen.

Eines meiner Fächer war Drama, für welches ich auch ein Stipendium angeboten bekommen habe, trotz meines deutschen Akzents. Wir arbeiteten den ganzen Term für eine gekürzte Version von „Macbeth“, welches wir dann auch während des Shakespeare-Festivals aufführten. Es war sehr harte Arbeit, aber dann vor einem Publikum von mehreren hundert Menschen spielen zu können, dafür hatte sich alles gelohnt. Talent wird in der BCS gefördert, egal, woher man kommt!

Da ich ein Stipendium bekommen habe, werde ich im nächsten Schuljahr voraussichtlich zurück nach England, in die Sixth Form, gehen und dort für den höchstmöglichen englischen Abschluss lernen, zusammen mit den meisten meiner dortigen Freunde.

Ich habe in England nicht nur meine Sprach- und Kulturkenntnisse verbessert, sondern auch neue Freunde kennengelernt. Alles in allem war meine Zeit in England also ein unvergessliches „Erlebnis“, trotz meiner anfänglichen Zweifel. Ich würde jedem empfehlen, ins Ausland zu gehen, um die Sprache zu verbessern und/oder die Kultur und neue Leute aus der ganzen Welt kennenzulernen. Ich hatte eine großartige Zeit dort, mit Höhen und Tiefen, aber was bleibt, ist eine Erfahrung fürs Leben!